Aus der Geisterwelt

Eigentlich bin ich ein nüchtern denkender Mensch. Götter und Geister gehören nicht zu meiner Welt. Auf meinen Reisen habe ich aber mehrere Leute getroffen, die von Geistern besessen schienen. Das waren oft schüchterne und gebildete Menschen,  doch wenn sie in Trance waren, verwandelten sie sich in komplett andere Wesen. Laut, wild und unkontrolliert. Was ich glaube und was ich erlebt habe, passt einfach nicht zusammen. Auch die Schamanin Riana Nainggolah, die wir am Tobasee auf Sumatra trafen, wirkte nicht wie jemand, der sich selbst in den Mittelpunkt rücken möchte. Sie schien sich eher damit abgefunden zu haben, dass die Geister sie als Medium aussuchen. Über die Geisterwelt traue ich mir deshalb keine Meinung zu. Ich glaube nicht daran und gleichzeitig möchte ich es auch nicht als Humbug abtun.

Schamanin auf Sumatra

Carno

Im Dorf der Walfänger, über das wir ja schon gebloggt haben, leben natürlich auch unzählige Kinder. Carno sitzt am Strand von Lamalera auf Lembata, IndonesienSie folgten uns in kleinen Trauben, wenn wir durchs Dorf schlenderten, weil sie Tom so spannend fanden. Morgens um sechs hörten wir bereits Kinderstimmen unter unserem Fenster: Toooom? Sie kamen den ganzen Tag über, um mit ihm zu spielen. Ein Junge hat uns besonders berührt. Er hieß Carno, war acht Jahre alt und gleichzeitig sanft und aufgeweckt. Er hatte eine fiese Narbe auf Stirn und Wange, die er unter einer Strickmütze versteckte. Irgendwie hatte heißes Öl seine Haut verbrannt, doch das wollte er nicht so genau erzählen. Er redete auch nicht gern darüber, wie seine Mutter starb, als er noch kleiner war. Sein Vater ist weggezogen. Carno lebt mit seiner Oma und seinem Onkel in einer sehr ärmlichen Hütte. Es war schön mitzuerleben, dass Carno in Lamalera trotzdem gut aufgehoben ist. Er hat viele Freunde, mit denen er am Strand oder auf dem Bolzplatz spielt. Vielleicht schafft er es sogar, eines Tages ein Lamafa zu werden. Hier ist die Geschichte über ihn aus DeinSPIEGEL.

Carno (2.v.l.) mit seinen Freunden in Lamalera auf Lembata, Indonesien

Der Kwai und seine Krieger

Kanchanaburi

Meistens sind wir nur kurz an einem Ort, eine Woche, höchstens zehn Tage. Dann zieht es uns weiter. In der Provinz Kanchanaburi im Westen Thailands haben wir mehr Zeit verbracht. KanchanaburiEine Woche im Januar und den halben Februar. Wir haben einen Ex-Rebellen aus Burma kennengelernt, der nun Elefanten pflegt. Einer der letzten Krieger der Mon hat seinen Sarong für uns hochgerollt, um uns die Tattoos auf seinen Beinen zu zeigen. Wir standen vor einem Wasserfall, den es sonst nur auf Fototapeten gibt, kein anderer Tourist weit und breit. Wir haben in Floßhäusern übernachtet und sind morgens mit einem Boot über einen Stausee getuckert, auf dem der Morgennebel lag wie leichter Schnee. Das ist alles schon ein paar Monate her und wir haben vielen Menschen seither gesagt: Wenn ihr könnt, fahrt nach Kanchanaburi. Ich bin zwar kein Fremdenverkehrsamt, aber in diesem Fall sage ich es noch einmal: Es ist wirklich toll da.

Kanchanaburi