Einsamer Tourist

In Burmas riesiger Hauptstadt trafen wir nur einen einzigen anderen Reisenden. Einen jungen Holländer, der selbst nicht wusste, was er in Naypyidaw wollte. Er saß in der Hotellobby, wartete auf den Bus und ärgerte sich. Er erzählte uns, dass es in Naypyidaw ja wirklich nichts zu tun gebe, dass die Taxis so teuer seien und die große Pagode so langweilig. Dabei gibt es im ganzen Land keinen skurrileren Ort! Naypyidaw ist dekadent, absurd, ein größenwahnsinniges Bauprojekt der Militärjunta mitten in der Walachei. Wen wir dort noch so getroffen haben, steht auf SPIEGEL ONLINE.

Naypyidaw

Sanfte Männer

Wir taten uns schwer damit, an unserem ersten Abend in Yangon ein Restaurant zu finden. Die meisten Leute aßen auf dem Bürgersteig, neben viel befahrenen Straßen, das war uns mit Tom zu gefährlich. Schließlich landeten wir in einer Kneipe. Nur Männer, Bierflaschen auf den Tischen und überall lief Fußball auf den Fernsehern. Wir bestellten Reis mit Pilzen. Unter dem Tisch huschte eine Ratte an der Wand entlang. Das ist kein Ort für ein Baby, dachte ich mir. Da kam ein Kellner zu unserem Tisch. Er kniete neben Tom, breitete seine Armen aus und schon war Tom von seinem Stuhl geklettert. Wir konnten in Ruhe zu Ende essen und dabei zusehen, wie verschiedene Kellner Tom durchs Restaurant trugen. Einer zeigte ihm ein Video von seiner zweijährigen Tochter, ein anderer küsste ihn vor Begeisterung immer wieder auf die Wange. Auf unserer Reise haben wir viele liebenswerte Leute getroffen, die sich gerne mit Tom beschäftigt haben. Doch die Sanftheit, mit der die Burmesen sich um ihre Kinder und auch um Tom gekümmert haben, stellte alles in den Schatten. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

TomKolage

Freiheitskämpfer

imageAls ich morgens an der Sule-Pagode in Yangon ankam, war der Freiheitskämpfer Nandar Sitt Aung noch nicht da. Stattdessen wartete sein unscheinbarer Freund auf mich. Er sollte bei der Übersetzung helfen. Ich wollte ein  bisschen Smalltalk machen und fragte nach seinem Job. Er machte Politik. Ob er auch im Gefängnis gewesen sei? “Das erste Mal zwei Jahre und danach noch mal neun Jahre”, sagte er. Ich schaute ihn plötzlich mit anderen Augen an. Und ich schämte mich, dass ich ihn für etwas langweilig gehalten hatte. Wir haben in Myanmar viele Menschen getroffen, die wie Nandar Sitt Aung und sein Freund mutig und selbstlos für die Demokratie kämpfen. Wenn sie nicht aufgeben, wird der Traum vielleicht bald wahr. Nächstes Jahr stehen wieder Wahlen an. Doch dass es dabei frei und fair zugehen wird, glauben Sitt Aung und seine Mitstreiter nicht.

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Schwerelos schweben

In Malaysia hatten wir einen Schnuppertauchkurs gemacht. Unter Wasser bleiben und in Ruhe Fische gucken. So hatte ich mir das vorgestellt. Im Wasser hat mich aber die ganze Ausrüstung gestört. Das Luftholen war sehr laut und wenn etwas passiert, kann man nicht sofort nach oben. Wie ein Astronaut, der einen Spacewalk macht. Wie anders war da das Freitauchen, das wir auf Koh Tao in Thailand ausprobiert haben. Vorher richtig atmen, entspannen und man kann minutenlang unter Wasser bleiben. Ich fand es wunderschön, schwerelos durch den lauwarmen Ozean zu schweben. Dass es Heike ganz anders ergangen ist, lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

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