Die Dämonen des Büroangestellten

Ich war neugierig auf unser Treffen mit dem tätowierten Büroangestellten in Tokio. Jeden Tag fährt Tsuyoshi Hashimoto ins Büro, seine tätowierte Haut unter langen Hemden versteckt. Tattoos, insbesondere traditionelle japanische Tattoos, sind in Japan eng verknüpft mit der Mafia. Mit der hat Hashimoto allerdings nichts zu tun, er findet Tattoos einfach schön. Ich erwartete einen wilden Kerl, einen Rebellen, der des Geldes wegen einen gut bezahlten Job in der Finanzbranche angenommen hat. Tsuyoshi Hashimoto war aber alles andere als wild. Er hatte große Angst, von seinen Kollegen entlarvt zu werden. Bevor ich ein Foto machen durfte, wollte er Vertrauen aufbauen. “Bitte komm wieder, nachdem der Artikel geschrieben ist”, sagte er. Doch dafür hatten wir leider keine Zeit. Ich wollte ihn fotografieren, wie er sein Hemd aufknöpft und wie darunter seine Tattoos zum Vorschein kommen. Vielleicht nächstes Mal… Nach langem Zureden durfte ich seine Dämonen, den kämpfenden Samurai und all die andere wunderschöne Körperkunst fotografieren, aber ohne Hemd und Hände. Ich musste meine Speicherkarte mit den Bildern bei ihm lassen. Er sollte sie mir schicken, nachdem er seine Zitate autorisiert hatte, das war der Deal. Ich verstehe nicht, warum er sich tätowieren lässt, wenn seine Tattoos ihm solche Angst machen – oder die Reaktion seiner Mitmenschen darauf.

Tattookultur in Japan

Menschen in Plastiktüten

20150531-IMG_3476Hal erinnert mich an einen Kumpel aus der Schule. Vielleicht war deshalb unser Wiedersehen mit diesem Fotografen so herzlich, der andere Menschen in Plasiktüten einschweißt. Auch uns bat er vor drei Jahren ins Vakuum: Ich quetschte mich mit Marcel in eine Tüte, in denen Japaner normalerweise ihre Futons verstauen, und hielt zehn Sekunden lang die Luft an, damit Hal ein Foto machen konnte. Es war skurril, etwas bedrohlich und vor allem krass eng. Inzwischen hat Hal sein Kunstprojekt erweitert: auf Familien. Er schweißt nun auch Kinder ein. Doch bei Tom hört meine Experimentierfreude auf. Der kommt mir nicht in die Tüte!

Grandios groß

Wir sind nun schon seit ein paar Wochen zu Hause. Tom hat sich ans Vollkornbrot gewöhnt und wir an Tage ohne Rucksack und Reisefieber. Wir lernen wieder, Regeln zu befolgen: keine Bauklötze werfen, das Spielzeug teilen, nicht zu laut quietschen und schreien. Wir haben einen Mietvertrag unterschrieben, suchen einen Kita-Platz. Langsam beginnt ein neuer Alltag. Da ist dieser Artikel auf SPIEGEL ONLINE eine zauberhafte Erinnerung daran, dass unsere grandios große Reise noch gar nicht lang vorbei ist. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Mit Kind durch die Philippinen