Dutzendfacher Zauber

Eine Geburt ist intim, zweisam, vielleicht dreisam, höchstens viersam, mit einer Hebamme. Dachte ich. Doch eine Geburt kann auch dutzendsam sein, wie im Fabella Hospital in Manila. In der größten Geburtsklinik Südostasiens gebären bis zu acht Frauen nebeneinander. Der Kreißsaal: Ein Bienenstock aus Ärzten, Hebammen, Studenten, Pflegern, werdenden Müttern und winzigen Kindern.

Fabella Hospital in ManilaWer spontan entbindet, kommt danach auf Station 4, wo 140 Frauen liegen, stehen, sitzen, stillen, und mindestens ebenso viele Babys trinken, schlafen, krähen, wimmern. Das Krankenhaus steht mitten in einem Armenviertel. Die Ausstattung ist einfach, dafür haben die Ärzte und Hebammen extrem viel Erfahrung. Rund 50 Kinder kommen hier zur Welt. Jeden Tag.

Trotzdem geht er nicht verloren, der Zauber der ersten Minuten und Stunden mit einem Kind. Wir haben mitgestaunt und mitgelitten, gezittert und geweint im Kreißsaal. Denn eins der Babys, dessen Geburt wir erlebt haben, war leblos und weiß wie Milch. Aber dann… Lest mehr in der NIDO.

Fabella Hospital in Manila

Menschen in Plastiktüten

20150531-IMG_3476Hal erinnert mich an einen Kumpel aus der Schule. Vielleicht war deshalb unser Wiedersehen mit diesem Fotografen so herzlich, der andere Menschen in Plasiktüten einschweißt. Auch uns bat er vor drei Jahren ins Vakuum: Ich quetschte mich mit Marcel in eine Tüte, in denen Japaner normalerweise ihre Futons verstauen, und hielt zehn Sekunden lang die Luft an, damit Hal ein Foto machen konnte. Es war skurril, etwas bedrohlich und vor allem krass eng. Inzwischen hat Hal sein Kunstprojekt erweitert: auf Familien. Er schweißt nun auch Kinder ein. Doch bei Tom hört meine Experimentierfreude auf. Der kommt mir nicht in die Tüte!

Grandios groß

Wir sind nun schon seit ein paar Wochen zu Hause. Tom hat sich ans Vollkornbrot gewöhnt und wir an Tage ohne Rucksack und Reisefieber. Wir lernen wieder, Regeln zu befolgen: keine Bauklötze werfen, das Spielzeug teilen, nicht zu laut quietschen und schreien. Wir haben einen Mietvertrag unterschrieben, suchen einen Kita-Platz. Langsam beginnt ein neuer Alltag. Da ist dieser Artikel auf SPIEGEL ONLINE eine zauberhafte Erinnerung daran, dass unsere grandios große Reise noch gar nicht lang vorbei ist. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Mit Kind durch die Philippinen

 

Steindoktoren in Angkor

Man könnte sie auch einfach der Zeit überlasssen, die grandiosen Ruinen von Angkor. Mehrere Jahrhunderte lang scherte sich kaum jemand um sie. Restauratoren in AngkorDie Tempel des alten Königreichs der Khmer verwahrlosten im kambodschanischen Dschungel. Jetzt legen sich drei Studenten aus Köln (und viele weitere Restauratoren) ins Zeug, damit die maroden Bauwerke noch ein paar Jahre länger durchhalten. Sie kämpfen um jedes Ornament, um jede Figur – gegen die Feuchtigkeit, die Hitze, die Vegetation… Wir durften mit aufs Gerüst und ihnen über die Schulter schauen. Tom musste unten bleiben. Er machte Bekanntschaft mit Ameisen und eine chinesische Touristin schenkte ihm ein Minion, das gackert und leuchtende Augen bekommt, wenn man auf den Knopf drückt. Es war beeindruckend, Menschen zu treffen, die sich so für etwas einsetzen, das uns recht ausweglos erschien. Denn die Restauratoren werden den Verfall der Tempel nie aufhalten, höchstens hinauszögern. Wie sie das tun, steht im UniSPIEGEL. Für Kinder haben wir es in der ZeitLEO erklärt.

Restauratoren in Angkor

 

Auf dem Parfümfluss

Vor Booten haben wir zunehmenden Respekt. Je schneller Tom läuft und je bestimmter er seinen Willen äußert, desto weniger gern steigen wir in die hölzernen Bananenschalen, die hier zu Inseln und über Flüsse tuckern. In der vietnamesischen Stadt Hue haben wir uns trotzdem aufs Wasser gewagt, um mit dem Jungen Phu über den Parfümfluss zu fahren. Er und seine Familie leben auf einem Drachenboot. Tom spielte an Bord mit Phus Schwester Huyen und wir recherchierten diese Geschichte, die gerade in der KinderZEIT erschienen ist.

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Kinderliebe Helfer

Manchmal ist es hart, gleichzeitig Tom und unserer Liebe zur Recherche gerecht zu werden. Wir wollen mittags zurück in der Unterkunft sein, damit Tom schlafen kann. imageAber wir wollen auch die Bombensucherin/den Walfänger/die Tempelretter begleiten, die keinen Mittagsschlaf brauchen. Die Reportage über den Mann, der sich seit 25 Jahren an Karfreitag kreuzigen lässt, war besonders anstrengend. Der Ort war zwei Fahrten mit der Motorradrikscha und zwei mit dem Sammeltaxi von unserem Hotel entfernt. Es war brüllend heiß und trubelig in San Pedro Cutud und wir konnten nur beide zur Kreuzigung pilgern und unterm Kreuz in der Sonne herumstehen, weil Dolly und Bea so toll waren. Die Nachbarin des Gekreuzigten und ihre 14-jährige Tochter nahmen Tom bei sich auf und passten zwei Stunden auf ihn auf. Ohne sie gäbe es diese Reportage nicht.

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Einsamer Tourist

In Burmas riesiger Hauptstadt trafen wir nur einen einzigen anderen Reisenden. Einen jungen Holländer, der selbst nicht wusste, was er in Naypyidaw wollte. Er saß in der Hotellobby, wartete auf den Bus und ärgerte sich. Er erzählte uns, dass es in Naypyidaw ja wirklich nichts zu tun gebe, dass die Taxis so teuer seien und die große Pagode so langweilig. Dabei gibt es im ganzen Land keinen skurrileren Ort! Naypyidaw ist dekadent, absurd, ein größenwahnsinniges Bauprojekt der Militärjunta mitten in der Walachei. Wen wir dort noch so getroffen haben, steht auf SPIEGEL ONLINE.

Naypyidaw

Viermal Stunde null

Manche Dinge zerschneiden das Leben in ein Vorher und ein Nachher. Der Tsunami, der vor zehn Jahren auf die Küsten von Thailand, Indonesien und anderen Ländern krachte, war so ein Ding. Er brachte unsäglichen Kummer. Und er veränderte das Leben derer, die ihn überlebten. Wir haben vier Menschen getroffen, die uns erzählten, wie es ihnen nach der Katastrophe erging.

Lampuuk, AcehDian Faizin, 24, stand im Garten seiner Oma, als die Welle kam. Sie löschte fast sein ganzes Dorf aus, tötete seine Eltern und Geschwister. Trotzdem zieht es Dian nach Lampuuk in Aceh zurück. Er hat uns das neue Haus gezeigt, das ihm eine NGO neben die Trümmer des alten gebaut hat. Ein Matratzenlager, eine Gitarre, sein Surfbrett. Der Garten sieht wild aus, die Zimmer verwahrlost. Dian kommt nur am Wochenende her. Doch in ein paar Jahren will er seine Freundin heiraten und in dem Haus leben. Der Tsunami habe ihn manches gelehrt, sagt er. Dies ist Dians Geschichte.

Banda AcehEin Fischkutter rettete Habasiah, 49, das Leben – und nahm ihr das Zuhause. Denn jetzt ist ihr Haus in Banda Aceh mit dem Schiff auf dem Dach ein berühmtes Mahnmal. Habasiah ist eine elegante, starke und sehr gläubige Frau. Sie jammert nicht, sie vertraut auf Allah. Doch als wir mit ihr die Ruinen ihres alten Heims besuchten, merkten wir, wie sehr sie auch zehn Jahre später noch ihre Nachbarn und ihr Viertel vermisst. Der Tsunami habe die Hilfsbereitschaft der Menschen zerstört, sagt sie. Hier ist ihre Geschichte.

20141105-IMG_0022Ich lief einige Stunden durch die Touristenhochburg Patong auf Phuket und stellte vielen Leuten viele Fragen, bis ich vom Ocean Plaza hörte, dem Einkaufszentrum am Strand, in dem Dutzende Menschen ertrunken waren. Dort fand ich Boonchup Saeaew, 50, einen einarmigen Koch, der seine Tochter verloren hatte. Drei Stunden saßen wir im Untergeschoss in einer kleinen Apotheke auf Plastikhockern. Saeaew erzählte, eindringlich und sehr genau, die nette Apothekerin übersetzte. Ich hatte das Gefühl, dass er sich einen Teil seiner Schuld von der Seele redete, die ihn immer noch zermürbt. Er hätte ihre Hand nicht loslassen dürfen, sagt er. Seine traurige Geschichte steht hier.

20141103-IMG_9957Franky Gun, 49, ist ein Typ, der anpackt, der sich nicht unterkriegen lässt, auch nicht von einem Tsunami. Als ihm in einem überfluteten Bungalow in Khao Lak die Luft ausging, wehrte er sich gegen den Tod, kämpfte sich frei – und überlebte. Seine Eltern schafften es nicht. Doch der ehemalige Goldschmied aus dem Ruhrpott hat seinen Frieden mit dem Schicksal geschlossen und sich ein neues Leben in Thailand aufgebaut. Seit dem Tsunami sei er ein zufriedenerer Mensch, sagt er. Auch seine Geschichte lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

Sonntagsliebe

Die drei Nächte, die wir an der East Coast in Singapur gezeltet haben, waren recht hart. Zum Glück hatten Marcel und Nonito, der gar nicht Nonito heißt, vorher alle golfballartigen Früchte der Seemandelbäume vom Zeltplatz geklaubt. Na ja, fast alle. Es waren trotzdem die besten Nächte (und Tage), die wir in Singapur hatten. Tom planschte im Meer und in einer Wanne und stolperte fröhlich über die Wiese. Und wir haben viel gelernt von und über die philippinischen Maids und Schweißer, mit denen wir gezeltet haben. Zum Beispiel wie sich Menschen wie Martha und Nonito ein bisschen Zweisamkeit in einem Leben erkämpfen, in dem kaum Platz für ihre Liebe ist. Mehr über die beiden lest ihr in der aktuellen Chrismon.
East Coast, Singapur

Löwenstadt, Lieblingsstadt?

East Coast, SingapurIch bin wirklich gern in Singapur. Ich liebe den feucht-schwülen Geruch nach Grün und Garküchen, die chinesischen Schnulzen aus den Taxiradios, den Wind, der durch die knorrigen Bäume an der East Coast fährt. Zwei Jahre lang bin ich in Singapur zur Schule gegangen, 9./10. Klasse. Es war eine geniale Zet, für die ich sehr dankbar bin. Heute sehe ich Singapur kritischer als damals. Aber trotzdem, auch wenn es schnulzig klingt: Ich werde mich der Stadt immer verbunden fühlen.

Singapur