Reisen gegen die Reiseangst

Ich hatte ein mulmiges Gefühl dabei, nach Borneo zu fliegen. Zu weit, zu wild, zu unbekannt. 20140426-IMG_2803Gibt es da auch Ärzte, Windeln, nette Leute? Es ist das Gefühl, das manche Menschen ganz davon abhält, auf Reisen zu gehen. Es hilft nur eins dagegen: hinfahren! Die allermeisten Sorgen sind unbegründet und kein Land ist gesichtslos.
Das erste Gesicht Borneos hatte Augen, die beim Lachen fast verschwinden und eine Menge lustiger Falten. Tante Lucy hat ein Homestay in Kota Kinabalu, mit einem Badeeimer für Tom, zwei Katzen und einem Holzbalkon. Wir waren dort zu Hause, für ein paar Tage, bevor wir weiterreisten zu Jack und Dina. Wer das ist, lest ihr hier.

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Kim

Schon beim ersten Mal, als wir in der malaysischen Stadt Miri waren, fiel mir die junge, dunkelhaarige Frau in unserem Guesthouse auf. 20140513-IMG_3912Ihre Haare wild abstehend, die Tattoos auf ihrem Körper ebenfalls wild, ihr Gesicht sanft und ein bisschen verträumt. Schulabbrecherin, Aussteigerin, und gleichzeitig neugierig und voller Pläne. Oft saß Kim vor dem Computer der Pension und las alles Mögliche über Tribal-Tattoos. Dass sie ein Fernstudium macht, um ihr Abitur nachzuholen, fand ich sehr sympathisch. Um es kurz zu machen, ich mochte sie und bin gespannt, wie ihre Reise weitergeht. Welche Geschichten ihre Tattoos erzählen, erfahrt ihr im aktuellen UniSPIEGEL.20140511-IMG_3790

Ödes, ruhiges Brunei? Von wegen!

Brunei ist langweilig, sagte die Chefin der malaysischen Pension auf der anderen Seite der Grenze. Brunei ist langweilig, sagte der Minibusfahrer, der uns hinbrachte. Very quiet. Es wurde die spannendste Station unserer Reise. Denn es sind selten die Sehenswürdigkeiten, die einen Ort unvergesslich machen, sondern die Menschen. In Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan trafen wir ein paar diplomatische Studenten und einige, die sehr offen erzählten, wie es ist, in einem absolutistischen Staat zu studieren. Sultan Hassanal Bolkiah bestimmt in Brunei alles. Das Parlament ist machtlos, die Minister auch, das Volk darf nicht wählen. Alkohol ist verboten, wilde Partys gehören also nicht zum Campusleben. Manche deutsche Studenten mögen sich fragen, warum es sich trotzdem lohnt, wie der Islamwissenschaftler Chris ein paar Monate in Brunei zu verbringen. Wegen den Menschen. Wir haben nirgends so mutige, engagierte, offene Leute getroffen wie dort. Mehr steht auf SPIEGEL ONLINE.

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Wald der kleinen Wunder

Es gibt Menschen, die sind mir erst sympathisch, wenn ich sie besser verstehe. Louis Murni gehört dazu, unser Bootsführer auf dem Kinabatangan River. 20140419-IMG_2270Morgens, mittags und in der Dunkelheit sind wir mit ihm über den Fluss gefahren und haben nach wilden Tieren Ausschau gehalten. Louis macht das seit 26 Jahren und es ist ihm ziemlich egal, ob die Fremden im Boot nun Elefanten und Orang-Utans sehen oder nicht. Er hatte vor allem Augen für Tom, der vor ihm auf meinem Schoß saß. Erst allmählich habe ich verstanden, dass Louis den Wald sehr liebt – und alle Wesen, die darin leben, die kleinen, großen, sichtbaren und unsichtbaren. Nicht nur die, für die sich die Touristen begeistern können. Mehr auf SPIEGEL ONLINE.20140419-IMG_2294

Zwei Mädchen, eine Geschichte

Wir suchten ein Mädchen, das im Wasserdorf Kampong Ayer in Brunei aufwächst und trafen auf einem der wackeligen Holzstege Amirah. Sie war neugierig und selbstbewusst und hatte sofort Lust, sich mit uns zu unterhalten. Als wir sie nach der Schule besuchten, lernten wir auch ihre schüchterne Cousine Syazwani kennen. Sie wäre ebenfalls gern im deutschen Kindermagazin aufgetaucht, aber in der Geschichte war nur Platz für ein Mädchen. Amirahs Geschichte in DeinSPIEGEL

Damit ihre Cousine nicht vergessen wird, widmen wir ihr diesen Blogeintrag und zeigen die schönsten Bilder, die es nicht ins Heft geschafft haben:

Kampong Ayer Kampong Ayer Kampong Ayer Kampong Ayer

Captain Caveman

Wir trafen Colin im Restaurant des Nationalparks von Mulu. Er hatte sich Tom geschnappt und wir kamen ins Gespräch. Colin verbringt fast seinen gesamten Jahresurlaub in Höhlen. Eine Woche im Jahr ist für seine Frau reserviert, sonst reicht sie die Scheidung ein, sagt Colin. Als er von seiner Anfangszeit als Höhlenentdecker redete und von seinem Versuch, durch einen engen Spalt zu kriechen, um zu schauen, was dahinter war, wurde mir schlecht. Der Gedanke, im Dunkeln nackt tief unter der Erde zwischen zwei Felsen eingeklemmt zu sein, bescherte mir eine spontane Klaustrophobieattacke. Ein fazinierendes Hobby – aber nichts für mich. Hier geht’s zum Interview.20140501-IMG_3044