Schwerelos schweben

In Malaysia hatten wir einen Schnuppertauchkurs gemacht. Unter Wasser bleiben und in Ruhe Fische gucken. So hatte ich mir das vorgestellt. Im Wasser hat mich aber die ganze Ausrüstung gestört. Das Luftholen war sehr laut und wenn etwas passiert, kann man nicht sofort nach oben. Wie ein Astronaut, der einen Spacewalk macht. Wie anders war da das Freitauchen, das wir auf Koh Tao in Thailand ausprobiert haben. Vorher richtig atmen, entspannen und man kann minutenlang unter Wasser bleiben. Ich fand es wunderschön, schwerelos durch den lauwarmen Ozean zu schweben. Dass es Heike ganz anders ergangen ist, lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

image

Viermal Stunde null

Manche Dinge zerschneiden das Leben in ein Vorher und ein Nachher. Der Tsunami, der vor zehn Jahren auf die Küsten von Thailand, Indonesien und anderen Ländern krachte, war so ein Ding. Er brachte unsäglichen Kummer. Und er veränderte das Leben derer, die ihn überlebten. Wir haben vier Menschen getroffen, die uns erzählten, wie es ihnen nach der Katastrophe erging.

Lampuuk, AcehDian Faizin, 24, stand im Garten seiner Oma, als die Welle kam. Sie löschte fast sein ganzes Dorf aus, tötete seine Eltern und Geschwister. Trotzdem zieht es Dian nach Lampuuk in Aceh zurück. Er hat uns das neue Haus gezeigt, das ihm eine NGO neben die Trümmer des alten gebaut hat. Ein Matratzenlager, eine Gitarre, sein Surfbrett. Der Garten sieht wild aus, die Zimmer verwahrlost. Dian kommt nur am Wochenende her. Doch in ein paar Jahren will er seine Freundin heiraten und in dem Haus leben. Der Tsunami habe ihn manches gelehrt, sagt er. Dies ist Dians Geschichte.

Banda AcehEin Fischkutter rettete Habasiah, 49, das Leben – und nahm ihr das Zuhause. Denn jetzt ist ihr Haus in Banda Aceh mit dem Schiff auf dem Dach ein berühmtes Mahnmal. Habasiah ist eine elegante, starke und sehr gläubige Frau. Sie jammert nicht, sie vertraut auf Allah. Doch als wir mit ihr die Ruinen ihres alten Heims besuchten, merkten wir, wie sehr sie auch zehn Jahre später noch ihre Nachbarn und ihr Viertel vermisst. Der Tsunami habe die Hilfsbereitschaft der Menschen zerstört, sagt sie. Hier ist ihre Geschichte.

20141105-IMG_0022Ich lief einige Stunden durch die Touristenhochburg Patong auf Phuket und stellte vielen Leuten viele Fragen, bis ich vom Ocean Plaza hörte, dem Einkaufszentrum am Strand, in dem Dutzende Menschen ertrunken waren. Dort fand ich Boonchup Saeaew, 50, einen einarmigen Koch, der seine Tochter verloren hatte. Drei Stunden saßen wir im Untergeschoss in einer kleinen Apotheke auf Plastikhockern. Saeaew erzählte, eindringlich und sehr genau, die nette Apothekerin übersetzte. Ich hatte das Gefühl, dass er sich einen Teil seiner Schuld von der Seele redete, die ihn immer noch zermürbt. Er hätte ihre Hand nicht loslassen dürfen, sagt er. Seine traurige Geschichte steht hier.

20141103-IMG_9957Franky Gun, 49, ist ein Typ, der anpackt, der sich nicht unterkriegen lässt, auch nicht von einem Tsunami. Als ihm in einem überfluteten Bungalow in Khao Lak die Luft ausging, wehrte er sich gegen den Tod, kämpfte sich frei – und überlebte. Seine Eltern schafften es nicht. Doch der ehemalige Goldschmied aus dem Ruhrpott hat seinen Frieden mit dem Schicksal geschlossen und sich ein neues Leben in Thailand aufgebaut. Seit dem Tsunami sei er ein zufriedenerer Mensch, sagt er. Auch seine Geschichte lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

In der Fremde

Was ist, wenn mein Partner mich verlässt, ich kein Geld mehr habe und keinen Job – und das alles weit weg von zu Hause, zum Beipiel in Bangkok? Würde ich überleben? Was würde ich tun? Ich habe mich schon oft gefragt, wie ich mich in der Fremde durchschlagen würde. Samuel Montassier hat es geschafft. Der Franzose ist in Chinatown in Bangkok abgestürzt und langsam wieder auf die Beine gekommen. Er sagt, dass er heute ein glücklicher Mensch sei. Wir trafen Sam an einer lauten, stinkenden Straßenkreuzung. Seinen Unterhalt verdient er mit einem sehr ungewöhnlichen und einzigartigen Job in Thailands Hauptstadt.

20141120-IMG_0429

Der Kwai und seine Krieger

Kanchanaburi

Meistens sind wir nur kurz an einem Ort, eine Woche, höchstens zehn Tage. Dann zieht es uns weiter. In der Provinz Kanchanaburi im Westen Thailands haben wir mehr Zeit verbracht. KanchanaburiEine Woche im Januar und den halben Februar. Wir haben einen Ex-Rebellen aus Burma kennengelernt, der nun Elefanten pflegt. Einer der letzten Krieger der Mon hat seinen Sarong für uns hochgerollt, um uns die Tattoos auf seinen Beinen zu zeigen. Wir standen vor einem Wasserfall, den es sonst nur auf Fototapeten gibt, kein anderer Tourist weit und breit. Wir haben in Floßhäusern übernachtet und sind morgens mit einem Boot über einen Stausee getuckert, auf dem der Morgennebel lag wie leichter Schnee. Das ist alles schon ein paar Monate her und wir haben vielen Menschen seither gesagt: Wenn ihr könnt, fahrt nach Kanchanaburi. Ich bin zwar kein Fremdenverkehrsamt, aber in diesem Fall sage ich es noch einmal: Es ist wirklich toll da.

Kanchanaburi

 

 

Unterwegs mit Tom

Schon lange ist mir kein Artikel mehr so schwer gefallen wie der über unsere zwei Monate in Thailand. Wo fange ich an? Wie fange ich an? Wann fange ich an…? Ich habe auf den weißen Bildschirm geschaut und die ungezählten Gesichter vor mir gesehen, die uns in den vergangenen Wochen zugelächelt, zugenickt, angegrinst haben. Es ist wunderschön, mit Tom unterwegs zu sein.

Ich wurde schon mehrmals gefragt, ob es nicht anstrengend sei, mit Baby zu reisen. 20140207-IMG_9066Ja, ist es. Aber es ist immer anstrengend, ein Kind zu haben, egal wo. Und es ist nicht das Reisen, das uns schlaucht. Es sind die Nächte, in denen Tom einen neuen Zahn bekommt. Oder es sind die unnötigen Sorgen, die ich mir anfangs gemacht habe und manchmal immer noch mache. Zum Glück werden wir für die ermüdenden Momente tausendfach entschädigt – mit bezaubernden Landschaften, Menschen, Eindrücken. Mehr darüber auf SPIEGEL ONLINE.20140207-IMG_9242

 

Tierischer Hunger

Als wir in Thailand eine Geschichte über eine Japanerin recherchierten, die ihr Leben einem Elefanten widmet, waren uns die mächtigen Tiere überraschend schnell vertraut. 20140202-IMG_8554Wir bewegten uns zwischen ihnen, als wären sie so groß wie Hunde. Den Elefanten ist selbst vermutlich auch nicht bewusst, wie riesig sie sind. In der Trockenzeit bekommen sie zusätzliches Futter, weil sie auf dem Gelände der Auffangstation nicht genug Grünzeug finden. Ein Elefant spähte um die Ecke des Häuschens, in dem das Futter lag, und versuchte immer wieder, sich an den Mahuts vorbeizuschleichen. Er erinnerte mich an das Mammut, das sich bei “Ice Age” hinter einem Baum verstecken will. Mehr über die Tiere lest ihr in unserer Reportage über Natsuyo Jaeke und ihre blinde Elefantendame auf SPIEGEL ONLINE.

20140215-IMG_9854

Tropentropfen

Ich bin in der Pfalz aufgewachsen und dort ist Weinbau ganz normal. Deshalb war es witzig zu sehen, dass sich thailändische Touristen zwischen den Reben in Khao Yai fotografieren wie vor berühmten Gebäuden. Das Weingut GranMonte liegt im Nordosten Thailands auf einem Stück Land, auf dem früher Mais und Cashew-Bäume wuchsen. Visooth Lohitnavy und seine Familie bauen dort entgegen aller Traditionen und trotz des tropischen Klimas seit einigen Jahren Wein an. Als wir sie besucht haben, waren sie noch immer ganz beeindruckt von dem wilden Elefanten, der kurz zuvor aus den Bergen gekommen und zwischen den reifen Trauben hindurchmarschiert war. Eine Begegnung, von denen deutsche Winzer eher selten erzählen. Auf SPIEGEL ONLINE lest ihr die ganze Geschichte. 20140117-IMG_7516_GranMonte_72