Dutzendfacher Zauber

Eine Geburt ist intim, zweisam, vielleicht dreisam, höchstens viersam, mit einer Hebamme. Dachte ich. Doch eine Geburt kann auch dutzendsam sein, wie im Fabella Hospital in Manila. In der größten Geburtsklinik Südostasiens gebären bis zu acht Frauen nebeneinander. Der Kreißsaal: Ein Bienenstock aus Ärzten, Hebammen, Studenten, Pflegern, werdenden Müttern und winzigen Kindern.

Fabella Hospital in ManilaWer spontan entbindet, kommt danach auf Station 4, wo 140 Frauen liegen, stehen, sitzen, stillen, und mindestens ebenso viele Babys trinken, schlafen, krähen, wimmern. Das Krankenhaus steht mitten in einem Armenviertel. Die Ausstattung ist einfach, dafür haben die Ärzte und Hebammen extrem viel Erfahrung. Rund 50 Kinder kommen hier zur Welt. Jeden Tag.

Trotzdem geht er nicht verloren, der Zauber der ersten Minuten und Stunden mit einem Kind. Wir haben mitgestaunt und mitgelitten, gezittert und geweint im Kreißsaal. Denn eins der Babys, dessen Geburt wir erlebt haben, war leblos und weiß wie Milch. Aber dann… Lest mehr in der NIDO.

Fabella Hospital in Manila

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Die Dämonen des Büroangestellten

Ich war neugierig auf unser Treffen mit dem tätowierten Büroangestellten in Tokio. Jeden Tag fährt Tsuyoshi Hashimoto ins Büro, seine tätowierte Haut unter langen Hemden versteckt. Tattoos, insbesondere traditionelle japanische Tattoos, sind in Japan eng verknüpft mit der Mafia. Mit der hat Hashimoto allerdings nichts zu tun, er findet Tattoos einfach schön. Ich erwartete einen wilden Kerl, einen Rebellen, der des Geldes wegen einen gut bezahlten Job in der Finanzbranche angenommen hat. Tsuyoshi Hashimoto war aber alles andere als wild. Er hatte große Angst, von seinen Kollegen entlarvt zu werden. Bevor ich ein Foto machen durfte, wollte er Vertrauen aufbauen. “Bitte komm wieder, nachdem der Artikel geschrieben ist”, sagte er. Doch dafür hatten wir leider keine Zeit. Ich wollte ihn fotografieren, wie er sein Hemd aufknöpft und wie darunter seine Tattoos zum Vorschein kommen. Vielleicht nächstes Mal… Nach langem Zureden durfte ich seine Dämonen, den kämpfenden Samurai und all die andere wunderschöne Körperkunst fotografieren, aber ohne Hemd und Hände. Ich musste meine Speicherkarte mit den Bildern bei ihm lassen. Er sollte sie mir schicken, nachdem er seine Zitate autorisiert hatte, das war der Deal. Ich verstehe nicht, warum er sich tätowieren lässt, wenn seine Tattoos ihm solche Angst machen – oder die Reaktion seiner Mitmenschen darauf.

Tattookultur in Japan

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Menschen in Plastiktüten

20150531-IMG_3476Hal erinnert mich an einen Kumpel aus der Schule. Vielleicht war deshalb unser Wiedersehen mit diesem Fotografen so herzlich, der andere Menschen in Plasiktüten einschweißt. Auch uns bat er vor drei Jahren ins Vakuum: Ich quetschte mich mit Marcel in eine Tüte, in denen Japaner normalerweise ihre Futons verstauen, und hielt zehn Sekunden lang die Luft an, damit Hal ein Foto machen konnte. Es war skurril, etwas bedrohlich und vor allem krass eng. Inzwischen hat Hal sein Kunstprojekt erweitert: auf Familien. Er schweißt nun auch Kinder ein. Doch bei Tom hört meine Experimentierfreude auf. Der kommt mir nicht in die Tüte!

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Grandios groß

Wir sind nun schon seit ein paar Wochen zu Hause. Tom hat sich ans Vollkornbrot gewöhnt und wir an Tage ohne Rucksack und Reisefieber. Wir lernen wieder, Regeln zu befolgen: keine Bauklötze werfen, das Spielzeug teilen, nicht zu laut quietschen und schreien. Wir haben einen Mietvertrag unterschrieben, suchen einen Kita-Platz. Langsam beginnt ein neuer Alltag. Da ist dieser Artikel auf SPIEGEL ONLINE eine zauberhafte Erinnerung daran, dass unsere grandios große Reise noch gar nicht lang vorbei ist. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Mit Kind durch die Philippinen

 

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Steindoktoren in Angkor

Man könnte sie auch einfach der Zeit überlasssen, die grandiosen Ruinen von Angkor. Mehrere Jahrhunderte lang scherte sich kaum jemand um sie. Restauratoren in AngkorDie Tempel des alten Königreichs der Khmer verwahrlosten im kambodschanischen Dschungel. Jetzt legen sich drei Studenten aus Köln (und viele weitere Restauratoren) ins Zeug, damit die maroden Bauwerke noch ein paar Jahre länger durchhalten. Sie kämpfen um jedes Ornament, um jede Figur – gegen die Feuchtigkeit, die Hitze, die Vegetation… Wir durften mit aufs Gerüst und ihnen über die Schulter schauen. Tom musste unten bleiben. Er machte Bekanntschaft mit Ameisen und eine chinesische Touristin schenkte ihm ein Minion, das gackert und leuchtende Augen bekommt, wenn man auf den Knopf drückt. Es war beeindruckend, Menschen zu treffen, die sich so für etwas einsetzen, das uns recht ausweglos erschien. Denn die Restauratoren werden den Verfall der Tempel nie aufhalten, höchstens hinauszögern. Wie sie das tun, steht im UniSPIEGEL. Für Kinder haben wir es in der ZeitLEO erklärt.

Restauratoren in Angkor

 

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Die Bombensprengerinnen

Neun Jahre lang, von 1964 bis 1973, wurde Laos von der US-Armee bombardiert. Die Menschen, die dort wohnten, wussten meist gar nicht, wer die Bomben abwarf und warum. Viele der Bomben explodierte nicht sofort. Sie UXOwarteten auf Bauern, die ihre Felder bestellten, auf spielende Kinder oder auf jemanden, der Jahre später an der falschen Stelle ein Feuer machte, weil ihm kalt war.
Ich wusste nicht, was uns erwarten würde. Wir waren verabredet mit einer Gruppe von Frauen, die jeden Tag rausfahren, um das Land von den zahllosen Blindgängern zu befreien. Waren es Leute, die Familienmitglieder verloren hatten? Oder war es der Kick, das Adrenalin? Vielleicht waren es Patrioten?
Es stellte sich heraus, dass die Bombensprengerinnen der laotischen Kampfmittelbeseitigungsbehörde ganz gewöhnliche Leben hatten. Sie brachten ihre Kinder morgens vor der Arbeit in die Schule, sprengten die Bomben routiniert und konzentriert. Waren die Felder und Dörfer gesäubert, gingen sie wieder nach Hause, um für ihre Familien zu kochen. So machen sie das tagein und tagaus. Warum sie es trotzdem nicht schaffen werden, all den Kriegsmüll zu beseitigen, steht in der aktuellen Chrismon plus.

UXO

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Auf dem Parfümfluss

Vor Booten haben wir zunehmenden Respekt. Je schneller Tom läuft und je bestimmter er seinen Willen äußert, desto weniger gern steigen wir in die hölzernen Bananenschalen, die hier zu Inseln und über Flüsse tuckern. In der vietnamesischen Stadt Hue haben wir uns trotzdem aufs Wasser gewagt, um mit dem Jungen Phu über den Parfümfluss zu fahren. Er und seine Familie leben auf einem Drachenboot. Tom spielte an Bord mit Phus Schwester Huyen und wir recherchierten diese Geschichte, die gerade in der KinderZEIT erschienen ist.

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Kinderliebe Helfer

Manchmal ist es hart, gleichzeitig Tom und unserer Liebe zur Recherche gerecht zu werden. Wir wollen mittags zurück in der Unterkunft sein, damit Tom schlafen kann. imageAber wir wollen auch die Bombensucherin/den Walfänger/die Tempelretter begleiten, die keinen Mittagsschlaf brauchen. Die Reportage über den Mann, der sich seit 25 Jahren an Karfreitag kreuzigen lässt, war besonders anstrengend. Der Ort war zwei Fahrten mit der Motorradrikscha und zwei mit dem Sammeltaxi von unserem Hotel entfernt. Es war brüllend heiß und trubelig in San Pedro Cutud und wir konnten nur beide zur Kreuzigung pilgern und unterm Kreuz in der Sonne herumstehen, weil Dolly und Bea so toll waren. Die Nachbarin des Gekreuzigten und ihre 14-jährige Tochter nahmen Tom bei sich auf und passten zwei Stunden auf ihn auf. Ohne sie gäbe es diese Reportage nicht.

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Weg vom Strom

Mit Touristenattraktionen ist es so ein Ding. Einerseits gibt es dort etwas zu sehen. Sie stehen schließlich nicht ohne Grund in allen Reiseführern. Andererseits strömen dort jeden Tag Touristen hin – oft seit Jahrzehnten und oft in Scharen. Die Menschen vorort haben sich angepasst. Sie verdienen an den Besuchern, man wird also als Kunde gesehen, oder man wird ignoriert. Die schönsten Begegnungen hatten wir abseits der Touristenrouten. Deshalb haben wir uns vorgenommen, sie so oft es geht zu verlassen. Doch es ist mühsam, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Die Busse sind unbequemer, fahren seltener, man teilt sich oft drei Sitze mit vier Personen, einem Sack Reis und einem Huhn. Weniger Menschen sprechen Englisch und die Speisekarten sind nicht so vielseitig. Man muss allerdings nicht aufs Land, um den Touristentrauben zu entkommen. Das geht auch in Großstädten, mit ein paar einfachen Tricks. In Vientiane haben wir versucht, die Sehenswürdigkeiten zu meiden. Ob uns das gelungen ist und was es mit experimentellem Reisen auf sich hat, lest ihr hier.

Experimentelles Reisen Vientiane

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Einsamer Tourist

In Burmas riesiger Hauptstadt trafen wir nur einen einzigen anderen Reisenden. Einen jungen Holländer, der selbst nicht wusste, was er in Naypyidaw wollte. Er saß in der Hotellobby, wartete auf den Bus und ärgerte sich. Er erzählte uns, dass es in Naypyidaw ja wirklich nichts zu tun gebe, dass die Taxis so teuer seien und die große Pagode so langweilig. Dabei gibt es im ganzen Land keinen skurrileren Ort! Naypyidaw ist dekadent, absurd, ein größenwahnsinniges Bauprojekt der Militärjunta mitten in der Walachei. Wen wir dort noch so getroffen haben, steht auf SPIEGEL ONLINE.

Naypyidaw

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