Sanfte Männer

Wir taten uns schwer damit, an unserem ersten Abend in Yangon ein Restaurant zu finden. Die meisten Leute aßen auf dem Bürgersteig, neben viel befahrenen Straßen, das war uns mit Tom zu gefährlich. Schließlich landeten wir in einer Kneipe. Nur Männer, Bierflaschen auf den Tischen und überall lief Fußball auf den Fernsehern. Wir bestellten Reis mit Pilzen. Unter dem Tisch huschte eine Ratte an der Wand entlang. Das ist kein Ort für ein Baby, dachte ich mir. Da kam ein Kellner zu unserem Tisch. Er kniete neben Tom, breitete seine Armen aus und schon war Tom von seinem Stuhl geklettert. Wir konnten in Ruhe zu Ende essen und dabei zusehen, wie verschiedene Kellner Tom durchs Restaurant trugen. Einer zeigte ihm ein Video von seiner zweijährigen Tochter, ein anderer küsste ihn vor Begeisterung immer wieder auf die Wange. Auf unserer Reise haben wir viele liebenswerte Leute getroffen, die sich gerne mit Tom beschäftigt haben. Doch die Sanftheit, mit der die Burmesen sich um ihre Kinder und auch um Tom gekümmert haben, stellte alles in den Schatten. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

TomKolage

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Freiheitskämpfer

imageAls ich morgens an der Sule-Pagode in Yangon ankam, war der Freiheitskämpfer Nandar Sitt Aung noch nicht da. Stattdessen wartete sein unscheinbarer Freund auf mich. Er sollte bei der Übersetzung helfen. Ich wollte ein  bisschen Smalltalk machen und fragte nach seinem Job. Er machte Politik. Ob er auch im Gefängnis gewesen sei? “Das erste Mal zwei Jahre und danach noch mal neun Jahre”, sagte er. Ich schaute ihn plötzlich mit anderen Augen an. Und ich schämte mich, dass ich ihn für etwas langweilig gehalten hatte. Wir haben in Myanmar viele Menschen getroffen, die wie Nandar Sitt Aung und sein Freund mutig und selbstlos für die Demokratie kämpfen. Wenn sie nicht aufgeben, wird der Traum vielleicht bald wahr. Nächstes Jahr stehen wieder Wahlen an. Doch dass es dabei frei und fair zugehen wird, glauben Sitt Aung und seine Mitstreiter nicht.

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Schwerelos schweben

In Malaysia hatten wir einen Schnuppertauchkurs gemacht. Unter Wasser bleiben und in Ruhe Fische gucken. So hatte ich mir das vorgestellt. Im Wasser hat mich aber die ganze Ausrüstung gestört. Das Luftholen war sehr laut und wenn etwas passiert, kann man nicht sofort nach oben. Wie ein Astronaut, der einen Spacewalk macht. Wie anders war da das Freitauchen, das wir auf Koh Tao in Thailand ausprobiert haben. Vorher richtig atmen, entspannen und man kann minutenlang unter Wasser bleiben. Ich fand es wunderschön, schwerelos durch den lauwarmen Ozean zu schweben. Dass es Heike ganz anders ergangen ist, lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

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Viermal Stunde null

Manche Dinge zerschneiden das Leben in ein Vorher und ein Nachher. Der Tsunami, der vor zehn Jahren auf die Küsten von Thailand, Indonesien und anderen Ländern krachte, war so ein Ding. Er brachte unsäglichen Kummer. Und er veränderte das Leben derer, die ihn überlebten. Wir haben vier Menschen getroffen, die uns erzählten, wie es ihnen nach der Katastrophe erging.

Lampuuk, AcehDian Faizin, 24, stand im Garten seiner Oma, als die Welle kam. Sie löschte fast sein ganzes Dorf aus, tötete seine Eltern und Geschwister. Trotzdem zieht es Dian nach Lampuuk in Aceh zurück. Er hat uns das neue Haus gezeigt, das ihm eine NGO neben die Trümmer des alten gebaut hat. Ein Matratzenlager, eine Gitarre, sein Surfbrett. Der Garten sieht wild aus, die Zimmer verwahrlost. Dian kommt nur am Wochenende her. Doch in ein paar Jahren will er seine Freundin heiraten und in dem Haus leben. Der Tsunami habe ihn manches gelehrt, sagt er. Dies ist Dians Geschichte.

Banda AcehEin Fischkutter rettete Habasiah, 49, das Leben – und nahm ihr das Zuhause. Denn jetzt ist ihr Haus in Banda Aceh mit dem Schiff auf dem Dach ein berühmtes Mahnmal. Habasiah ist eine elegante, starke und sehr gläubige Frau. Sie jammert nicht, sie vertraut auf Allah. Doch als wir mit ihr die Ruinen ihres alten Heims besuchten, merkten wir, wie sehr sie auch zehn Jahre später noch ihre Nachbarn und ihr Viertel vermisst. Der Tsunami habe die Hilfsbereitschaft der Menschen zerstört, sagt sie. Hier ist ihre Geschichte.

20141105-IMG_0022Ich lief einige Stunden durch die Touristenhochburg Patong auf Phuket und stellte vielen Leuten viele Fragen, bis ich vom Ocean Plaza hörte, dem Einkaufszentrum am Strand, in dem Dutzende Menschen ertrunken waren. Dort fand ich Boonchup Saeaew, 50, einen einarmigen Koch, der seine Tochter verloren hatte. Drei Stunden saßen wir im Untergeschoss in einer kleinen Apotheke auf Plastikhockern. Saeaew erzählte, eindringlich und sehr genau, die nette Apothekerin übersetzte. Ich hatte das Gefühl, dass er sich einen Teil seiner Schuld von der Seele redete, die ihn immer noch zermürbt. Er hätte ihre Hand nicht loslassen dürfen, sagt er. Seine traurige Geschichte steht hier.

20141103-IMG_9957Franky Gun, 49, ist ein Typ, der anpackt, der sich nicht unterkriegen lässt, auch nicht von einem Tsunami. Als ihm in einem überfluteten Bungalow in Khao Lak die Luft ausging, wehrte er sich gegen den Tod, kämpfte sich frei – und überlebte. Seine Eltern schafften es nicht. Doch der ehemalige Goldschmied aus dem Ruhrpott hat seinen Frieden mit dem Schicksal geschlossen und sich ein neues Leben in Thailand aufgebaut. Seit dem Tsunami sei er ein zufriedenerer Mensch, sagt er. Auch seine Geschichte lest ihr auf SPIEGEL ONLINE.

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In der Fremde

Was ist, wenn mein Partner mich verlässt, ich kein Geld mehr habe und keinen Job – und das alles weit weg von zu Hause, zum Beipiel in Bangkok? Würde ich überleben? Was würde ich tun? Ich habe mich schon oft gefragt, wie ich mich in der Fremde durchschlagen würde. Samuel Montassier hat es geschafft. Der Franzose ist in Chinatown in Bangkok abgestürzt und langsam wieder auf die Beine gekommen. Er sagt, dass er heute ein glücklicher Mensch sei. Wir trafen Sam an einer lauten, stinkenden Straßenkreuzung. Seinen Unterhalt verdient er mit einem sehr ungewöhnlichen und einzigartigen Job in Thailands Hauptstadt.

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Sonntagsliebe

Die drei Nächte, die wir an der East Coast in Singapur gezeltet haben, waren recht hart. Zum Glück hatten Marcel und Nonito, der gar nicht Nonito heißt, vorher alle golfballartigen Früchte der Seemandelbäume vom Zeltplatz geklaubt. Na ja, fast alle. Es waren trotzdem die besten Nächte (und Tage), die wir in Singapur hatten. Tom planschte im Meer und in einer Wanne und stolperte fröhlich über die Wiese. Und wir haben viel gelernt von und über die philippinischen Maids und Schweißer, mit denen wir gezeltet haben. Zum Beispiel wie sich Menschen wie Martha und Nonito ein bisschen Zweisamkeit in einem Leben erkämpfen, in dem kaum Platz für ihre Liebe ist. Mehr über die beiden lest ihr in der aktuellen Chrismon.
East Coast, Singapur

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Löwenstadt, Lieblingsstadt?

East Coast, SingapurIch bin wirklich gern in Singapur. Ich liebe den feucht-schwülen Geruch nach Grün und Garküchen, die chinesischen Schnulzen aus den Taxiradios, den Wind, der durch die knorrigen Bäume an der East Coast fährt. Zwei Jahre lang bin ich in Singapur zur Schule gegangen, 9./10. Klasse. Es war eine geniale Zet, für die ich sehr dankbar bin. Heute sehe ich Singapur kritischer als damals. Aber trotzdem, auch wenn es schnulzig klingt: Ich werde mich der Stadt immer verbunden fühlen.

Singapur

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Aus der Geisterwelt

Eigentlich bin ich ein nüchtern denkender Mensch. Götter und Geister gehören nicht zu meiner Welt. Auf meinen Reisen habe ich aber mehrere Leute getroffen, die von Geistern besessen schienen. Das waren oft schüchterne und gebildete Menschen,  doch wenn sie in Trance waren, verwandelten sie sich in komplett andere Wesen. Laut, wild und unkontrolliert. Was ich glaube und was ich erlebt habe, passt einfach nicht zusammen. Auch die Schamanin Riana Nainggolah, die wir am Tobasee auf Sumatra trafen, wirkte nicht wie jemand, der sich selbst in den Mittelpunkt rücken möchte. Sie schien sich eher damit abgefunden zu haben, dass die Geister sie als Medium aussuchen. Über die Geisterwelt traue ich mir deshalb keine Meinung zu. Ich glaube nicht daran und gleichzeitig möchte ich es auch nicht als Humbug abtun.

Schamanin auf Sumatra

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Carno

Im Dorf der Walfänger, über das wir ja schon gebloggt haben, leben natürlich auch unzählige Kinder. Carno sitzt am Strand von Lamalera auf Lembata, IndonesienSie folgten uns in kleinen Trauben, wenn wir durchs Dorf schlenderten, weil sie Tom so spannend fanden. Morgens um sechs hörten wir bereits Kinderstimmen unter unserem Fenster: Toooom? Sie kamen den ganzen Tag über, um mit ihm zu spielen. Ein Junge hat uns besonders berührt. Er hieß Carno, war acht Jahre alt und gleichzeitig sanft und aufgeweckt. Er hatte eine fiese Narbe auf Stirn und Wange, die er unter einer Strickmütze versteckte. Irgendwie hatte heißes Öl seine Haut verbrannt, doch das wollte er nicht so genau erzählen. Er redete auch nicht gern darüber, wie seine Mutter starb, als er noch kleiner war. Sein Vater ist weggezogen. Carno lebt mit seiner Oma und seinem Onkel in einer sehr ärmlichen Hütte. Es war schön mitzuerleben, dass Carno in Lamalera trotzdem gut aufgehoben ist. Er hat viele Freunde, mit denen er am Strand oder auf dem Bolzplatz spielt. Vielleicht schafft er es sogar, eines Tages ein Lamafa zu werden. Hier ist die Geschichte über ihn aus DeinSPIEGEL.

Carno (2.v.l.) mit seinen Freunden in Lamalera auf Lembata, Indonesien

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Der Kwai und seine Krieger

Kanchanaburi

Meistens sind wir nur kurz an einem Ort, eine Woche, höchstens zehn Tage. Dann zieht es uns weiter. In der Provinz Kanchanaburi im Westen Thailands haben wir mehr Zeit verbracht. KanchanaburiEine Woche im Januar und den halben Februar. Wir haben einen Ex-Rebellen aus Burma kennengelernt, der nun Elefanten pflegt. Einer der letzten Krieger der Mon hat seinen Sarong für uns hochgerollt, um uns die Tattoos auf seinen Beinen zu zeigen. Wir standen vor einem Wasserfall, den es sonst nur auf Fototapeten gibt, kein anderer Tourist weit und breit. Wir haben in Floßhäusern übernachtet und sind morgens mit einem Boot über einen Stausee getuckert, auf dem der Morgennebel lag wie leichter Schnee. Das ist alles schon ein paar Monate her und wir haben vielen Menschen seither gesagt: Wenn ihr könnt, fahrt nach Kanchanaburi. Ich bin zwar kein Fremdenverkehrsamt, aber in diesem Fall sage ich es noch einmal: Es ist wirklich toll da.

Kanchanaburi

 

 

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